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Liebe Eltern,
liebe Schüler*innen,

erinnern Sie sich an die Zeit vor 6 Jahren? Wir befanden uns noch mitten in der Corona-Pandemie und Mitteilungen der Schulleitung waren mindestens alle zwei Wochen notwendig. 

Das ist nicht mehr so. Zwar ist Schule ein dynamisches System, aber die Bearbeitung pädagogischer, organisatorischer oder auch baulicher Themen erstreckt sich über längere Zeiträume, nicht zuletzt, weil alle Gremien und Teilgruppen der Schulgemeinde eingebunden sein sollen. Gleichzeitig berichte ich diesen Gremien regelmäßig, wir holen uns als Leitungsteam und Kollegium Rückmeldung und die Protokolle dieser Sitzungen sind öffentlich. Ungern möchte ich Sie also durch Wiederholungen langweilen, gleichzeitig ist mir bewusst, dass die Protokolle oft vor allem von denjenigen gelesen werden, die in den Gremien als Vertreter*innen der verschiedenen Personengruppen teilnehmen.

Mein Vorhaben ist es, ab sofort Ihnen immer zu Beginn der Ferien, also mindestens viermal im Jahr, einen Rück- und Ausblick in die verschiedenen Arbeitsprozesse und Themen zu geben, die uns an der Edith-Stein-Schule beschäftigen.

Das Schuljahr begann gleich mit der grundsätzlich erfreulichen Nachricht, dass immer mehr Kinder das Angebot eines warmen Mittagessens wahrnehmen. Offensichtlich schmeckt das Essen, sonst würde das Angebot nicht eine stetig steigende Nachfrage erfahren. Das stellt uns vor organisatorische Herausforderungen. Gemeinsam mit dem Caterer legten wir einige Regelungen fest, um die Ströme der Esser*innen besser kanalisieren zu können. Anschließend beobachteten Herr Godzierz und ich in der Zeit von 13 bis 14 Uhr eine Woche lang im Pavillon die Abläufe, um zu prüfen, ob die Maßnahmen sinnvoll gewählt waren.

Zu den verschiedenen Anpassungen gehören die Einrichtung von Zeitslots für bestimmte Altersgruppen, die Einrichtung einer festen Lehrkräfteaufsicht, die insbesondere darauf achtet, dass die Jüngsten zu ihrem Recht kommen, und die Umstellung der Geschirrrückgabe, um das parallel notwendige Spülen zu vereinfachen.

Mir ist bewusst, dass die Zeitfenster bei den älteren Schüler*innen ab Klasse 7 (Essen ab 13.30 Uhr, außer die 6. Stunde ist frei) nicht auf Begeisterung stößt. Eine sehr große Gruppe aus den Jahrgangsstufen 7 und 8 hat hierzu eine „Petition“ eingereicht, mit der Bitte, diese zeitliche Vorgabe wieder aufzuheben. Notwendig ist diese jedoch, weil die 5. und 6. Klassen die Möglichkeit haben müssen, in Ruhe vom A-Bau in den Pavillon zu wechseln, dann erst zu essen, um noch genügend Zeit zum Toben an der frischen Luft zu haben. Von den Älteren darf man hingegen bereits eine gewisse Geduld und Rücksichtnahme erwarten. (Auch die Unart des Vordrängelns Älterer, über die leider öfter berichtet wurde, ist so unterbunden.)

Zusätzlich wird im Stundenplanteam zum Halbjahr bzw. neuen Schuljahr die Möglichkeit geprüft, die Mittagspause ab Klasse 8 montags und mittwochs in die 6. Stunde vorzuziehen. Auch das brächte an den beiden am stärksten frequentierten Tagen Entlastung.

Ein Thema, mit dem wir uns bereits im letzten Schuljahr konkret beschäftigt haben, ist eine Neufassung einer Kleiderordnung, nachdem bereits in den Schuljahren davor mit jedem Beginn des Frühlings das Unbehagen angesichts der Sommermode zunahm. Es ist ein sensibles Thema mit vielen Facetten wie persönlicher Entfaltung, Ausdruck der eigenen Stilrichtung, Angemessenheit bezüglich des Umfelds, Respektierung von persönlichen Grenzen, Signalwirkung von Kleidungswahl bis hin zu einer kritischen Reflexion von unterschwelligen Motiven der Modeindustrie.

Als Erwachsenen ist uns bewusst – auch weil wir hoffentlich nicht vergessen haben, wie das „damals“ bei uns selbst war – dass die bewusste Auswahl der eigenen Kleidung eine der ersten Schritte der Selbstbestimmung gegenüber den Eltern ist und gleichzeitig eine der ersten Möglichkeiten, die sich ausbildende eigene Persönlichkeit zu unterstreichen. Diesem Wunsch muss in Schule Rechnung getragen werden. Gleichzeitig findet die Ausprägung der persönlichen Entfaltung dort seine Grenzen, wo andere Grenzen berührt oder überschritten werden.

Es war also notwendig gemeinsam die Interessen der Beteiligten, Schüler*innen und erwachsene Mitarbeitende, zunächst kennenzulernen, zu respektieren und um dann im Rahmen der vorgegebenen Situation (Schule als Ort des Lernens) zu einer nachvollziehbaren und angemessenen Regelung zu kommen. Diese Aushandlungsprozesse benötigen (nicht nur in der Politik) Zeit. Das geeignete Format erschien uns die „Denkbaustelle“, ein offenes Gesprächsangebot an interessierte Schüler*innen gemeinsam mit der Schulleitung und ebenfalls interessierten Lehrkräften, die wir am Ende des letzten Schuljahres wieder reaktivierten.

Bei einem erneuten Treffen in diesem Schuljahr sind wir gemeinsam zu einer Formulierung einer Kleiderordnung gelangt, die – das ist das Ziel – nicht nur in der Schulordnung verankert wird (nicht wie vorher im institutionellen Schutzkonzept), sondern auch regelmäßig, anlassunabhängig mit den Schüler*innen besprochen wird. Idealerweise würde dies über die Jahre zu einem gewachsenen Verständnis für dieses sensible Thema bei allen Schulmitgliedern führen, und uns leidige Diskussionen ersparen.

Der Sommer, der hinter uns liegt, hat viele von uns erschöpft. Natürlich gab es sie, diese wunderbaren Momente der sommerlichen Freiheit mit Sonnenschein und (hoffentlich) kühlem Nass, mit lauen Nächten und Unbeschwertheit. Aber – und hier muss ich mindestens einem Politiker widersprechen: Das war kein normaler heißer Sommer. Wer das behauptet, lügt sich in die eigene Tasche (und muss dann auch praktischerweise nicht handeln).

Hitzeschutz und Hitzeanpassung ist für alle Schulen (nicht nur für unsere) herausfordernd. Wenn man davon ausgeht, dass es in absehbarer Zeit nicht besser wird, besteht gleichzeitig Klarheit darüber, dass Hitzefrei nur in absoluten Ausnahmefällen die (Akut-)Lösung sein kann. Ebenso ist für zahlreiche Gebäude im Bestand eine flächendeckende aktive Klimatisierung nicht realistisch.

Bereits seit den Monaten Mai/Juni (erste Hitzewelle) sammelt das Schulleitungsteams bei allen Gelegenheiten und in allen Gremien per Brainstorming gute Ideen. Es ist nun mal schlicht so, dass man selbst nicht auf alles Denkbare kommt. Diese Ideensammlung, die bauliche und organisatorische Vorschläge genauso aufnimmt wie Anpassungen im Verhalten der Schulbesuchenden (Erwachsene und Kinder), wird gegeneinander abgeglichen. Denn manches wurde anderenorts bereits erprobt und diese Erfahrungen fließen natürlich ebenso ein.

Daraus und vor dem Hintergrund der mittel- und langfristigen Bau- und Investitionsplanung entstand in den letzten Wochen ein erster Entwurf eines Hitzeschutz- und Hitzeanpassungsplans. Besonders bereichernd empfand ich eine Veranstaltung letzte Woche der Schader Stiftung in Kooperation mit der Hochschule Darmstadt im Rahmen der Darmstädter Wochen der Transformation, in der es sich explizit um Hitzeschutz in Schulen drehte. Besonders gefreut hat mich, dass ich gleich mehrere Personen aus dem Kreis unserer Elternschaft dort traf, und auch in Bezug auf unser Gebäude und dessen spezifische Herausforderungen in den Austausch treten konnte.

In direktem Zusammenhang dazu steht auch die Pflege des Außengeländes. Vielleicht haben Sie sich als Eltern eines 5.- oder 6. Klässlers gefragt, warum wir ausgerechnet den großen Baum im Hof des A-Baus entfernen mussten, obwohl dieser die Südseite so schön beschattete. Wir lassen in Anbetracht des hohen Hitzestresses einmal jährlich alle Bäume von einem Fachbetrieb auf Sicherheit überprüfen. Für drei Bäume ergab die diesjährige Prüfung ein hohes Risiko für die Nutzer*innen des Schulgeländes. Das veranlasst uns zu sofortigem Handeln. In zahlreichen Bäumen wurden auch Kronenpflegearbeiten durchgeführt, um Totholz zu entfernen. Hier geht Sicherheit vor. (Die Pflanzung eines vierten Baumes auf dem Schulhof des A-Baus ist aber bereits in Arbeit.)

Ausgehend von einer Initiative innerhalb der Präventionsgruppe und im Austausch mit der Digital-AG kristallisiert sich heraus, dass wir ab dem kommenden Schuljahr – zunächst als Pilotprojekt – den Familien der neuen Fünftklässler anbieten werden, ihr Kind in einer Smartphone-freien Klasse anzumelden.

Die gemeinnützige GmbH „Smarter Start ab 14“ aus Hamburg möchte Eltern dafür gewinnen, gemeinschaftlich mit den Schulen der Kinder zu vereinbaren, dass die Kinder einer Klasse erst mit 14 Jahren ihr erstes Smartphone bekommen.

Kurz zusammengefasst: Ein Teil der Belastungen, denen Kinder heute ausgesetzt sind, haben mit der Nutzung von Smartphones zu tun. Sei es das fiese Kommentieren im Klassenchat oder der vorsätzliche Ausschluss einzelner aus demselben (Cybermobbing), sei es die Konfrontation mit gewalttätigen, sexualisierten, illegalen oder extremistischen Inhalten, sei es ein exzessives Nutzen von dusseligen Spielen – die Liste ist lang. Gleichzeitig drehen sich viele Diskussionen und Konflikte innerhalb der Familien um Regelungen bei der Nutzung der Smartphones durch die Kinder.

Oft wird von Eltern dann anschaulich beschrieben, welchem Druck sie ausgesetzt sind, wenn ihr Kind immer wieder beteuert, dass „alle anderen“ bereits ein Smartphone haben und sie selbst ausgeschlossen seien, wenn sie keins besitzen.

Foto von herbstlich verfärbten Weinreben

„Smarter Start ab 14“, für unsere Schulorganisation angepasst als „Smarter Start ab 7. Klasse“ kann hier für Entlastung sorgen. Das Projekt basiert auf der verbindlichen Selbstverpflichtung der Eltern, dem eigenen Kind kein eigenes Smartphone zur Verfügung zu stellen. Dies setzt großes Vertrauen voraus, gegenseitig unter Familien, die sich vorher ja gar nicht kennen. Ich bin überzeugt, dass unsere Schule hierfür die allerbesten Voraussetzungen bietet, dass ein solches Angebot funktionieren kann, weil 

sich die Menschen in der Schulgemeinde aufeinander verlassen können.

Wir sind alle sehr gespannt, wie das Angebot angenommen wird, und ob wir im kommenden 5. Jahrgang eine solche Smartphone-freie Klasse bilden können. (Die ersten Lehrkräfte haben bereits dringendes Interesse angemeldet, in einer solchen Klasse Klassenlehrkraft werden zu wollen.)

Wichtiger Terminhinweis:

Am Freitag, den 23. Oktober kann es aus schulorganisatorischen Gründen kein Mittagessen geben. Der Kiosk ist geöffnet. Bitte berücksichtigen Sie dies bei Ihren Planungen.

Mit freundlichen Grüßen

D. Krumpholz
Schulleiterin

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